Gibt es ein Recht, zu Fantasieren? Vom Zusammenhang zwischen Pornographie und sexueller Gewalt

Jo Fidgen erörtert die negativen Auswirkungen von Pornographie auf das Sexualverhalten.

Eines Tages im Jahr 2013 saß ich im Büro und schaute Pornostars beim Ausüben einer Vergewaltigungsszene zu. Wohlgemerkt nicht zu meinem Vergnügen, sondern zu Recherchezwecken. Damals recherchierte ich für eine Radiosendung, welche Auswirkungen Pornographie auf uns hat und die besagte Szene stammte aus einem der beliebtesten Videos auf einer bekannten Pornoseite.

Zu Beginn des Videos erschien auf dem Bildschirm eine Warnung: „Es handelt sich hierbei um Fiktion und um professionelle Schauspieler. Was Sie hier sehen, sollte nicht zu Hause nachgestellt werden.“ Die Handlung war nicht gerade komplex: Eine Frau besucht ihren entfremdeten Ehemann um ihn dazu zu bringen die Scheidungspapiere zu unterzeichnen. Er reagiert wütend und zwingt sie zu verschiedenen Sexpraktiken. Daraufhin protestiert sie, ohne sich jedoch wirklich zu wehren. Nachdem der Mann den Akt vollzogen hat, unterschreibt er schließlich die Papiere.

Dann wendet sich die Handlung. Die Schauspieler, nun scheinbar ganz sie selbst, haben es sich auf dem Sofa bequem gemacht und der Regisseur fragt sie, ob es ihnen Spaß gemacht hat. Die Frau beschwert sich, dass ihr Mitdarsteller ihr entgegen vorheriger Vereinbarung in die Augen ejakuliert hat. Dann verzeiht sie ihm jedoch mit theatralischer Geste und versichert, dass sie in Zukunft wieder mit ihm zusammenarbeiten würde. Im letzten Bild blickt sie dann jedoch dem Zuschauer in die Augen und sagt: „Er hat mir weh getan, er hat mir weh getan.“ Und Schnitt.

Das Video hat mich noch lange beschäftigt. War die Aussage der Darstellerin Ernst gemeint? Hat der Regisseur die letzte Szene nur deshalb in den Film aufgenommen, weil er dachte, dass die Zuschauer so etwas sehen wollen? Und hat ihr überhaupt irgendeiner von denen zugehört? Der Film dauerte eine halbe Stunde; die meisten Männer verbringen aber nicht länger als sieben Minuten auf Pornoseiten. (Bei Frauen sind es immerhin fünfzehn.)

Trotz der Gewaltszenen soll das Video auf den Zuschauer vor allem sexuell erregend wirken. In diesem Sinne erotisiert der Film sexuelle Gewalt. Für manchen mag das allein schon Grund genug sein, um ein Verbot von dieser Art der Pornographie zu fordern. Aber wie schädlich ist solch pornographischer Inhalt wirklich? Und wiegen diese Schäden die Einschränkung künstlerischer Freiheit durch ein Verbot von Gewalt in Pornographie auf?

Dieses alt bekannte und etwas abstrakte Spannungsverhältnis zwischen Pornographie und Zensur wurde mir nicht zuletzt anlässlich der Veröffentlichung von Statistiken zu Vergewaltigungen in Großbritannien bewusst. Im Jahr 2014 wurden bis Juni bereits 22.116 Vergewaltigungen der Polizei gemeldet, ein Anstieg um 29%. Fast dreiviertel der Anzeigen bezogen sich auf aktuelle Fälle, statt auf Straftaten, die schon weiter zurücklagen. Mit anderen Worten: jeden Tag meldeten sich zehn weitere Frauen, die vor kurzem Opfer einer Vergewaltigung geworden waren, bei der Polizei. Ebenso schockierend ist die Anzahl derjenigen, die berichten, sie seien mit einer Waffe bedroht und zum Sex gezwungen worden. So waren es 2014 294 Frauen, ein erschütternder Anstieg um 48% im Vergleich zum Vorjahr.

Trotz der klaren Zahlen, lassen sich aus diesen Statistiken keine klaren Schlüsse ziehen. Zwar scheint die Anzahl der Vergewaltigungen unter Bedrohung tatsächlich gestiegen zu sein. Insgesamt wird aus diesen Zahlen jedoch nicht klar, ob 2014 wirklich mehr Frauen vergewaltigt wurden oder ob sich einfach mehr von ihnen trauten die Vergewaltigung anzuzeigen, da ihnen prominente Fälle wie etwa der des Jimmy Saville oder Rolf Harris Mut gemacht hatten. Zudem hatte Polizei nach Vorwürfen, sie habe in der Vergangenheit Anzeigen fälschlicherweise verworfen, das Verfahren zur Bearbeitung von Vergewaltigungsfällen überholt.

Wie auch immer man diese Ergebnisse interpretiert, es handelt sich hierbei eindeutig um ein schwerwiegendes Problem, für das es keine einfache Lösung gibt.

Oder vielleicht doch? Der Gesetzgeber hat mindestens zwei Optionen, das Problem unter Kontrolle zu bringen– und gleichzeitig gute Presse einzukassieren: Entweder man verbietet einfach Pornographie, die Vergewaltigung darstellt. Oder man zwingt Menschen, die auf Pornographie zugreifen wollen und die sich bisher einfach Videos im Internet angeschaut haben, ihren Namen auf einer Liste zu registrieren. Beide Optionen wurden in Großbritannien 2014 diskutiert.

Auf den ersten Blick mögen die Vorschläge plausibel erscheinen. Im besten Fall dämmt man damit einen schlechten Einfluss ein. Im schlimmsten Fall verbietet man dubiosen Menschen, mit denen man sich nicht einmal ein Zugabteil teilen würde, ein höchst zwielichtiges Vergnügen.

Nur leider ist Ersteres nicht so einfach zu erzielen und Zweiteres offensichtlich nicht gerecht.

Schon in den siebziger Jahren führte Neil Malamuth, damals Psychologiestudent an der UCLA, ein Laborexperiment zur Erforschung des Zusammenhangs zwischen Pornographie und sexueller Aggression durch. Heutzutage ist er einer der angesehensten Forscher auf dem Gebiet. Er hat über Jahrzehnte viele verschiedene Experimente mit verschiedensten Methodologien durchgeführt (wie zum Beispiel das Experiment in diesem Artikel). Malamuth gibt zu, dass die Experimente alle nur über eine begrenzte Aussagefähigkeit verfügen, betont jedoch, dass die Gesamtheit Ergebnisse eine bemerkenswerte Kontinuität aufweisen.

So berichtet er mir: „Für die meisten Männer hat der Konsum von Pornographie keine negativen Auswirkungen, ruft also keine Gewalt gegen Frauen oder sexuell aggressive Tendenzen hervor. Pornographie – und vor allem extremere und gewaltsame Formen der Pornographie – haben jedoch eine negative Auswirkung auf eine wichtige Untergruppe von Männern, nämlich auf diejenigen, die schon andere Risikofaktoren für das Verüben von sexueller Aggression aufweisen.“

Dazu gehören Männer, die in der Kindheit Gewalt oder Missbrauch erlebt haben, promiskuitiv leben, eine narzisstische Persönlichkeit oder aggressive sexuelle Fantasien haben. Wenn ein Mann mit diesen Risikofaktoren eine Menge gewaltsamer Pornographie konsumiert, besteht eine größere Wahrscheinlichkeit, dass er einmal eine aggressive sexuell motivierte Tat ausüben wird.

Zu Malamuth’s Bedauern benutzen manche Aktivisten seine Forschungsergebnisse, um die Behauptung zu untermauern, dass Pornographie zu Gewaltverbrechen führe. Hier zieht er eine Parallele zum Alkoholkonsum. Während Alkohol manche Menschen entspannt, macht es andere gewalttätig. Die Behauptung, Alkohol löse Gewalt aus, ist aber eine grobe Vereinfachung des Sachverhalts.

„Das Gleiche“, sagt er, „gilt auch für Pornographie. Zusammenfassend kann ich Ihnen sagen, dass es scheint, als ob Pornographie das Sexleben mancher bereichert und insofern als positiver Aspekt in ihrem Leben gesehen werden kann. Bei diesen Menschen führt Pornographie auf keine Art und Weise zu asozialem Verhalten. Bei anderen Menschen, die über mehrere von diesen Risikofaktoren verfügen, stimmt es dagegen tatsächlich, dass Pornographie Öl in die Flamme gießen kann und die Wahrscheinlichkeit steigt, dass diese Person sexuelle Delikte begeht.“

Forscher werden wohl nie einen hierüber hinausgehenden kausalen Zusammenhang zwischen Pornographie und sexueller Gewalt nachweisen können. Um festzustellen, ob der Konsum von Pornographie zu bestimmen Verhaltensweisen führt, müssten sie nämlich jene Art von Experimenten durchführen, die in der Psychologie schon lange nicht mehr erlaubt sind. Zu Beginn seiner Forschung hatte Malamuth noch die Erlaubnis erhalten, Testpersonen unter Laborbedingungen gewalttätige Pornographie zu zeigen und die Auswirkungen auf die Menschen zu beobachten. Diese Art von Experiment würde ihm heutzutage keine Ethikkommission der Welt durchgehen lassen.

Wer behauptet, Pornographie löse irgendetwas aus, der verkauft seine persönliche Wertung fälschlicher Weise als wissenschaftlichen Fakt.

Es ist also in der Tat nicht einfach zu begründen, warum man den durchschnittlichen Internetnutzer in seinem Zugriff auf Pornographie einschränken sollte. Aber vielleicht gibt es noch andere Gründe, um diese Maßnahmen zu ergreifen. Ein weiteres Argument zu den schädlichen Folgen der Pornographie führt aus, dass wir heutzutage in einer „Pornokultur“ leben. Das Internet macht es uns so leicht an Hardcore-Pornographie zu gelangen oder umgekehrt so schwer ihr aus dem Weg zu gehen, dass unsere Kultur und die damit verbundenen Einstellungen der meisten Männer, insbesondere der jungen Männer, gegenüber Frauen und Sex unweigerlich davon geprägt werden. Auch wenn man selbst keine Pornographie konsumiert, wird man doch durch sie beeinflusst. Vor dem Zeitalter des Internets, so drückt es die feministische Philosophin Rae Langton aus, „hatten Menschen Schwierigkeiten, an Pornographie zu gelangen. Heutzutage leben wir dagegen schon in einer Welt der Pornographie, es sei denn wir entscheiden uns bewusst dafür uns ihr zu entziehen.“

Ausgehend von diesen Sorgen sind unzählige soziologische Forschungsarbeiten über die schädlichen gesellschaftlichen Auswirkungen der Pornographie entstanden. In den britischen Universitäten hat es zu dem Thema zahlreiche hitzige Debatten gegeben. Auch bei einem Workshop der Free Speech Debate an der Universität Oxford trafen unlängst knallharte Argumente über die Folgen einer von Pornographie geprägten Kultur auf weniger intellektuelle aber umso leidenschaftlichere Gegenreden über den Wert der künstlerischen und Meinungsfreiheit.

Wie kann man bei solch einem Schwall an Information den Überblick behalten? Ich habe mich an die britische Gerichtspsychologin Miranda Horvath gewendet, die letztes Jahr alle verfügbaren Studien, mehr als 40.000, über die Auswirkung von Pornographie auf Jugendliche ausgewertet hat und dabei zu folgendem Schluss gekommen ist:

„Diese Studien belegen den Zusammenhang zwischen Pornographie und unrealistischen Vorstellungen von Sex, dem Glauben Frauen seien Sexobjekte und regelmäßigen Gedanken an Sex. Kinder und Jugendliche, die Pornographie schauen, neigen zu weniger fortschrittlichen Geschlechterbildern.“ (Den vollständigen Berichte finden Sie hier.)

Die besagten Studien stellen jedoch lediglich Korrelationen her. Man kann daraus nicht ableiten, ob die Einstellungen der Befragten wirklich auf die Pornographie zurückzuführen sind. Diese Studien können weder den Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung herstellen noch andere Erklärungen ausschließen. Dies wäre an sich kein Problem, wenn sich nicht manche dieser Forschungsarbeit bedienen würden, um daraus Behauptungen zu entwickeln, die aus der Forschung überhaupt nicht hervorgehen.

In ihrer Auswertung berücksichtigte Dr. Horvath nur Studien, die einem gewissen wissenschaftlichen Standard entsprachen. Dennoch erzählte sie mir von ihrer Verwunderung darüber, „wie viele sehr scharf formulierte Meinungsartikel es gibt, die vorgeben auf Forschung zu beruhen und neue Ansichten zu gewinnen, in Wirklichkeit aber nur die persönlichen Meinung des Autors widerspiegeln.“

Dem kann Dr Ogi Ogas, Neurowissenschaftler und Co-Autor des Buches A Billion Wicked Thoughts nur beipflichten. Wie Ogas es ausdrückt, „Viele der Sexforscher sind gleichzeitig Aktivisten.“ Ogas’ Studie, die er zusammen mit Sai Gaddam veröffentlicht hat und die noch nicht von anderen Experten rezensiert wurde, untersucht unsere Gewohnheiten bei der Nutzung von Pornographie im Internet. Die beiden Wissenschaftler hatten dabei auf ungefähr eine Milliarde verschiedener Suchanfragen im Internet Zugriff sowie auf den Browserverlauf von einer halben Million Menschen und die internen Daten der damals beliebtesten Pornoseite.

Dabei fanden sie heraus, dass 4,2% der eine Million beliebtesten Suchanfragen mit Sex zu tun hatten. 13% der Suchbegriffe im Internet hatten einen erotischen Inhalt, zu den beliebtesten Begriffen gehörten „Jugend“, „Gay“, „MILF“, „Brüste“ und „fremdgehende Ehefrauen.“ Auch „Cougar“ und „Füße“ kamen überraschend oft vor. (Interessant ist dabei, dass die Auswirkungen von Pornographie auf homosexuelle Männer in diesem Zusammenhang nur selten diskutiert werden, obwohl diese in den Suchdaten oft überproportional vertreten sind. Die Erforschung von Pornographie ist aber auch meist auf die Institute für Frauenforschung beschränkt.)

Behalten Sie diese Ergebnisse im Hinterkopf, wenn Sie das nächste Mal in einem Zugabteil sitzen und versuchen nicht daran zu denken, was wohl gerade im Kopf der anderen Passagiere vorgeht. Ein kurzer Einblick in die Gedankenwelt der anderen würde ihnen verraten, dass sich etwa 80 Prozent der Männer durchschnittlich mehr als ein Mal pro Woche im Internet Pornographie anschauen.

Mich interessiert jedoch vor allem eins: Ogas erklärt, es sei nichts dran an der Behauptung, dass Pornographie zunehmend gewalttätiger wird und dass Konsumenten mit fortschreitender Zeit nach immer extremeren Videos suchen. Die meisten Menschen, sagt er, würden immer wieder nach den gleichen zwei Sexpraktiken suchen. Nur weniger als 0.1 Prozent haben abwechslungsreichere Vorlieben, wie im Bereich der Hardcore-Pornographie. Laut Ogas fallen die betreffenden Nutzer „aus dem Raster“, und suchen oft nach einer Kombination von Begriffen, die Ogas als „die unheilige Dreifaltigkeit“ bezeichnet: Inzest, Bestialität und „granny“ Porno.

Wenn Wissenschaftler mit aktivistischem Anspruch behaupten, man könne es im Internet nicht vermeiden auf gewalttätige Pornographie zu stoßen, sollte man nachhaken, ob sie wirklich eine Milliarde Suchanfragen in ihre Betrachtung einbezogen haben und ob sie wirklich wissen, was Internetnutzer sich anschauen wollen.

Was den einen erregt, ekelt den anderen an. Selbst wenn sie die meisten von uns anekeln sollten – sexuelle Fantasien dürfen nicht der Zensur unterliegen. Der Staat darf lediglich über unsere Handlungen urteilen. Nicht zuletzt sollte man in Betracht ziehen, welche Schäden so ein Versuch, das Recht auf freien Ausdruck einzuschränken, anrichten würde.

In Japan, so argumentierten Milton Diamon und Ayako Uchiyama in einem spannenden Artikel im International Journal of Law and Psychiatry, sank die Zahl der gemeldeten Vergewaltigungen, je leichter die Menschen an Pornographie gelangen konnte. Wie Bert Kutchinsky ermittelte, blieb die Vergewaltigungsrate in Schweden, Dänemark und Westdeutschland in diesem Fall genauso hoch oder fiel sogar. Nur in den Vereinigten Staaten stieg sie an, je einfacher der Zugriff auf Pornographie wurde .

Was lernen wir daraus? Wir können dem nicht entnehmen, ob in den betreffenden Ländern tatsächlich weniger Frauen vergewaltigt wurden oder ob mit der Verbreitung von Pornographie die Akzeptanz von sexueller Gewalt in der Gesellschaft dermaßen anstieg, dass weniger Opfer bereit waren Anzeige zu erstatten. Dass die Statistiken in den USA nicht dem weltweiten Trend entsprechen, weist jedoch auf einen wichtigen Aspekt in der Debatte hin. Pornographie existiert nie in einem Vakuum sondern wird im Kontext einer gesellschaftlichen Kultur produziert und konsumiert. Unsere Wertvorstellungen und unser Werdegang beeinflussen wie wir darauf reagieren.

Diese Einsicht kann womöglich die Widersprüche innerhalb der Wissenschaft auf diesem Gebiet erklären. So befand zum Beispiel eine Studie aus den Niederlanden, dass Erwachsene, die mehr Pornographie konsumierten, pornographische Handlung zunehmend mit realem Sex vermischten und Sex weniger als emotionalen statt als körperlichen Akt verstanden. Dagegen wiesen Erwachsene, die von einer Gruppe schwedischer Forscher befragt wurden, kaum Schwierigkeiten auf, zwischen Fantasie und Realität zu unterscheiden und trugen auch keine psychologischen Veränderungen von dem Konsum von Pornographie davon.

Wie üblich geht Schweden in Sachen Geschlechtergerechtigkeit hier mit gutem Beispiel voran. Wenn Frauen und Männer wirklich gleichberechtigt sind, kann auch das sexuelle Rollenspiel zwischen zweidimensionalen Charakteren daran nichts ändern.

Pornographie ist eben ein Spiegel unserer Gesellschaft. Wenn uns unser eigenes Abbild nicht gefällt, können wir das Problem aber kaum lösen, indem wir einfach den Spiegel in Stücke schlagen.

Für diejenigen, die sich gegen sexuelle Gewalt und gegen die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern engagieren wollen, mag die Kritik an der Pornographie ein gefundenes Fressen sein. Jedoch verfehlen sie damit das eigentliche Ziel. Es gibt keine wasserdichten Beweise dafür, dass Pornographie aggressives Verhalten hervorruft sondern höchstens Hinweise darauf, dass es negative Einstellungen verstärken kann.

Wenn die Wissenschaft uns keine eindeutigen Antworten liefern kann, woher stammt dann das Drängen auf eine stärkere Kontrolle von Pornographie im Internet? Die Antwort findet sich womöglich in den Beobachtungen des Neurowissenschaftlers Ogas, der in seiner Forschung zu Pornographie im Internet feststellte: „Wenn wir die sexuellen Vorlieben anderer Menschen bewerten und sie nicht mit unseren eigenen übereinstimmen, dann reagieren wir schon rein biologisch mit Ekel, Unbehagen und Angst. Wenn wir uns die Pornographie anderer Menschen anschauen, dann ruft das eine physiologische Reaktion hervor, die uns das Gefühl gibt, hier stimmt doch irgendwas nicht, hier geht doch irgendwas Unmoralisches vor.“

Persönliche Vorlieben bilden jedoch keine gute Gesetzesgrundlage. Im Falle der Homosexualität oder der Abtreibung diente das öffentliche Misstrauen lange als Begründung um die Rechte von ohnehin verletzlichen Gruppen weiter einzuschränken. In einer liberalen Demokratie ist es nicht die Moralvorstellung der Mehrheit sondern die Meinungsfreiheit der Minderheit, die des Schutzes bedarf. Solange wir nicht mehr über die Auswirkungen von Pornographie wissen, müssen wir uns wohl weiterhin mit anstößigen Videos im Internet abfinden.

Jo Fidgen ist freiberufliche Journalistin. Sie hat eine Radiosendung auf BBC Radio 4 über die Erforschung der Auswirkungen von Pornographie moderiert. Dieser Artikel basiert zudem auf einem Workshop in Oxford, der von Free Speech Debate organisiert wurde.

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Kommentare (1)

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  1. Both this article and the one about Rapelay made me think about why it is so much more abhorrent if rape is depicted compared to murder (even mass murder). It might just be because we’re used to seeing people butchered to death and therefore find it normal. But I’d imagine that no TV station would broadcast a terrorist propaganda video that showed a woman being raped, not even the ones that show people being set on fire or beheaded. Perhaps it’s because while there are various justifications for most kinds of violence in war, there is never any justification for rape. Perhaps that’s the reason why so many people find pornography depicting rape sickening, even all other concerns (safety of the actor/actress, negative impact on viewer) could be ruled out, which I’m not sure they ever can be. I also think it’s a little odd to equate moral objections to rape with ‚moral‘ objections to homosexuality.

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