Die Westboro Baptist Church: ein Recht auf freie Meinungsäußerung?

Ein Urteil des Obersten Gerichtshofs der USA fiel 2011 zu Gunsten einer Kirche aus, die bei Beerdigungen gegen Schwule demonstriert, schreibt Casey Selwyn.

Der Fall

Die Westboro Baptist Church (WBC) ist eine kleine, unabhängige Kirchengemeinde, deren Zentrum in Topeka (US-Bundesstaat Kansas) liegt. Sie wird von Pastor Fred Phelps angeführt und ist für extremistische Ansichten bekannt. Die Kirche erlangte vor allem durch Protestaktionen bei Beerdigungen Bekanntheit, bei denen sie die Ansicht vertrat, dass der Tod von US-Soldaten von Gott gewollt sei, um die “Nation des Bösen”, die USA, zu bestrafen. Eine Internetseite der Kirche, godhatesfags.com (dt. “Gott hasst Tunten”), behauptet, die WBC veranstalte “friedliche Demonstrationen, die sich der schwulen Lebensart von seelenverdammendem, die Nation zerstörendem Dreck widersetzen”. Der erste Gottesdienst wurde 1995 gehalten, die erste Demonstration 1991. Die WBC gibt an, bisher 48.341 Demonstrationen veranstaltet zu haben.

Trotz ihrer geringen Mitgliederzahl ist die Kirchengemeinde bekannt und wird kontrovers diskutiert. Sie war Gegenstand einer BBC-Dokumentation von Louis Theroux mit dem Titel Die verhassteste Familie in Amerika. Im Jahr 2011 versuchte die Familie eines US-Soldaten, dessen Beerdigung von der WBC attackiert wurde, Phelps zu verklagen. Der Oberste Gerichtshof der USA entschied mit einer Mehrheit von 8-1 für die WBC. Der Fall führte zu einer Debatte unter Rechtswissenschaftlern und in der Öffentlichkeit, da viele Menschen sich in Fällen wie den Demonstrationen der WBC für Begrenzungen der Meinungsfreiheit aussprachen.

Meinung des Autors

Die Ansichten und Aktivitäten der Westboro Baptist Church sind nach Ansicht dieser Autorin fürchterlich. Jedoch unterstütze ich das Urteil des Obersten Gerichtshofs in diesem Fall, und finde auch generell, dass es solche Gruppen geben dürfen sollte. Auf Beerdigungen zu demonstrieren, fügt den Familien der Opfer mehr Schaden zu, als andere Formen der Meinungsäußerung es tun würden. Doch sollte das Recht solcher Gruppierungen, demonstrieren zu dürfen, nicht eingeschränkt werden. Erstens gibt es bereits Regeln dafür, wie nahe solche Proteste an Beerdigungen herankommen dürfen. Diese sollten eingehalten werden, aus Respekt für die trauernden Familien. Zweitens ist die richtige Art und Weise, mit solchen Protesten umzugehen, ein Gegenprotest und öffentliche Stellungnahme gegen die Positionen der Gruppe. In diesem Sinne war auch der Gerichtsprozess nicht ohne Nutzen für die Gegner der Kirche, denn obwohl das Urteil zu Gunsten von Westboro ausfiel, so wurde doch durch den Prozess die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Kirche gelenkt, und große Teile der Öffentlichkeit reagierten mit Ablehnung auf die Ansichten und Aktivitäten dieser Gruppe.

- Casey Selwyn

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Das Projekt „Debatte zur Meinungsfreiheit“ ist ein Forschungsprojekt des Dahrendorf Programme for the Study of Freedom am St Antony's College an der Universität von Oxford.

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