Debatte zur Meinungsfreiheit

Dreizehn Sprachen. Zehn Prinzipien. Eine Unterhaltung.

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1Wir – alle Menschen – müssen in der Lage und befähigt sein, frei unsere Meinung zu äußern und, ohne Rücksicht auf Grenzen, Informationen und Ideen zu ersuchen, zu empfangen und mitzuteilen.»
2Wir verteidigen das Internet und alle anderen Kommunikationsmittel gegen illegitime Eingriffe von öffentlichen und privaten Mächten.»
3Wir benötigen und schaffen offene und vielseitige Medien, um gut informiert Entscheidungen treffen zu können, und um vollständig am öffentlichen Leben teilzuhaben.»
4Wir sprechen offen und mit Höflichkeit und Respekt über jegliche Art von Unterschieden zwischen Menschen.»
5Wir tolerieren keine Tabus in unserer Debatte über Wissen und dessen Verbreitung.»
6Weder drohen wir mit Gewalt, noch akzeptieren wir gewaltsame Einschüchterung.»
7Wir respektieren alle Gläubigen, aber nicht unbedingt alle Glaubensinhalte.»
8Wir alle haben ein Anrecht auf ein Privatleben, sollten dessen Beschränkung aber akzeptieren, wenn dies im öffentlichen Interesse ist.»
9Wir sollten Verleumdungen begegnen können, ohne dabei jedoch berechtigte Diskussionen einzuschränken.»
10Wir sollten in der Lage sein, alle Einschränkungen der Meinungs- und Informationsfreiheit zu hinterfragen, die beispielsweise mit der Aufrechterhaltung der Moral, der öffentlichen Ordnung, der nationalen Sicherheit oder dem Schutz geistigen Eigentums begründet werden.»

Was fehlt noch?

Haben wir etwas Wichtiges ausgelassen? Brauchen wir ein 11. Prinzip? Oder fehlt ein aufschlussreiches Fallbeispiel? Lest die Vorschläge anderer Nutzer hier, und fügt Eure eigenen hinzu.

Timothy Garton Ash | Eine Erklärung

Ist nichts mehr heilig?

Dieser Prinzip-Entwurf betrifft eines der schwierigsten Probleme der Meinungsfreiheit. Auf der einen Seite steht der grundlegende Respekt für die Menschenwürde und die persönlichen Wahl eines jeden Überzeugten. Auf der anderen geht es um die gleichermaßen unerlässliche Freiheit, die Behauptungen jeglichen Glaubenssystems, jeglicher Organisation oder Gruppe hinterfragen zu können.

Religion und Meinungsfreiheit

Die Beziehung zwischen Religion und freier Meinungsäußerung ist seit jeher schwierig. Tatsächlich scheinen Menschen von Beginn an die Definitionsmacht ihrer Sprache zugunsten religiöser Gefühle freiwillig eingeschränkt zu haben. Wissen wir von auch nur einer Kultur, die nicht irgendein Konzept des Heiligen oder Unantastbaren kennt? In den als Aufklaerung bekannt gewordenen Debatten des transatlantischen Westens um die Meinungsfreiheit ging es seit dem 17. Jahrhundert immer um den Umgang mit religiöser Autorität und Konflikt.

In der Mitte des vergangenen Jahrhunderts glaubte im Westen fast jeder, dass Modernisierung und Säkularisierung notwendigerweise Hand in Hand gehen werden. Trotzdem hat sich Religion niemals völlig zurückgezogen. Im heutigen Europa haben sich die akutesten Kontroversen um die Meinungsfreiheit in der Konfliktzone zwischen Islam, Christentum und Atheismus entzündet. Ein Blick in den Mittleren Osten oder nach Indien genügt, um zu sehen wie Worte, Bilder und Symbole, die sich auf Religion beziehen, zum Anlass für Feindschaft und Gewalt zwischen Gruppen werden, die sich ganz oder teilweise religiös definieren – seien es Juden, Hindus, Sikhs oder Ahmadiyya.

Per definitionem zählt was uns heilig ist zu den für uns allerwichtigsten Dingen. In Polen und Russland findet das, was über Religion zu sagen erlaubt ist seine gesetzlichen Grenzen in der „Beleidigung religiöser Gefühle“ – und religiöse Gefühle zählen zu den stärksten menschlichen Emotionen. Muslime sind angehalten, den Propheten Mohammed mehr zu lieben als die eigenen Kinder. Wer dem späten Papst Johannes Paul II. beim Gebet zur Jungfrau Maria zuhörte, hörte einen Sohn zu seiner Mutter sprechen. Selbst für einen unreligiösen Menschen war dies ein bewegendes Erlebnis.

Die meisten Gesellschaften in der Geschichte haben solche Gefühle bekräftigt, und haben ihre sozialen und politischen Gefüge mit der Durchsetzung von Tabus gefestigt. In modernen Staaten hat dies oftmals die Form von Blasphemiegesetzen genommen, welche einige (aber weitaus nicht alle) Religionen schützen. So wurde in Großbritannien ein solches Gesetz, welches nur die christliche Religion umfasste, erst 2008 aufgehoben. Die meisten muslimischen Länder haben Blasphemiegesetze erlassen, die nur oder hauptsächlich den Islam schützen. In Pakistan schreibt Artikel 295 des Strafgesetzbuchs vor, dass „abfällige Bemerkungen“ über den Propheten Mohammed ob in der Form „des gesprochen oder geschrieben Wortes, der visuellen Repräsentation, oder durch jegliche Bezichtigung, Anspielung oder Andeutung, direkt oder indirekt“ mit dem Tode bestraft werden. Eine Frau namens Aasia Bibi wurde tatsächlich anhand dieses Artikels zum Tode verurteilt. In einigen muslimischen Ländern sind religiöse Inhalte und Symbole durch die Geschäftsbedingungen von Internetanbietern geschützt.

„Die Diffamierung von Religionen“?

In einer Welt in der wir alle zu Nachbarn werden, ob physisch oder virtuell, stehen uns zwei Wege offen. Wir können solche selektiven Tabus (die nur eine oder nur eine Handvoll von Religionen schützen, die in einem bestimmen Gebiet vorherrschen) entschärfen; oder wir können sie auf alle Religionen ausweiten – frei nach dem Motto: „Du respektierst mein Tabu, dann respektiere ich Deins.“ In Großbritannien verlangten zum Beispiel Führer muslimischer Gemeinden, die Blasphemiegesetzte auf den Islam auszuweiten. Auf internationaler Ebene verlangte über Jahre die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, eine Vereinigung von 56 Staaten mit muslimischer Bevölkerungsmehrheit, dass die Vereinten Nationen „neue bindende normative Standards“ einführe, um die „Diffamierung von Religionen“ zu verhindern. [link to video with Callamard, Benesch, Ghanea-Hancock]

Aber was ist mit „Religionen“ gemeint? Neben den sogenannten abrahamitischen Religionen – dem Islam, dem Christen- und dem Judentum – würden die meisten Menschen ohne Weiteres auch solche etablierten Religionen wie den Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Sikhismus, Jainismus und die Religion der Yoruba als solche anerkennen. Konfuzianismus, nicht zuletzt wegen seines hohen Alters und der Menge seiner Anhänger, mag ebenfalls zu dieser Liste gezählt werden, wenn auch bezweifelt werden kann, ob es sich um eine Religion im engeren Sinne handelt. Aber wie steht es mit Scientology? Oder Astrologie? Säkulare Europäer machen sich oft über die Religiosität der Amerikaner lustig, aber laut einer Umfrage nehmen über die Hälfte der Bewohner Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens Astrologie durchaus ernst. Und wie steht es mit den 390.000 Personen in Großbritannien, die im Zensus des Jahres 2001 ihren Glauben als „Jedi“ angaben?

Wer entscheidet, was eine ernstzunehmende Religion ist? In den Vereinigten Staaten wird Scientology rechtlich wie eine unter vielen Religionen behandelt; in Deutschland hingegen sieht man darin eine gefährliche Sekte. (Einem deutschen Scientologen wurde in den USA sogar auf Grund religiöser Verfolgung Asyl gegeben.) Werden als Religionen also jene Gruppen anerkannt, die es schon eine Weile gibt und die über eine große Anhängerschaft verfügen? Das hieße, dass das Christentum im ersten Jahrhundert seiner Existenz nicht als solche angesehen werden konnte. Oder ist nicht vielmehr ausschlaggebend, ob man andere dazu zwingen kann, einen ernst zu nehmen?

Es ist offensichtlich unmöglich eine allgemein anerkannte und vernünftige Definition zu finden. Denn Glaube ist schließlich schon der Definition nach dem Verstand nicht untergeordnet. Theologen verschiedener Religionen räumen ein, dass die Vernunft den Glauben begleiten kann, aber das ist etwas anderes. Darüber hinaus sind einige Kernaussagen anerkannter Religionen klar widersprüchlich.

Und wie steht es mit Atheisten? Haben deren Behauptungen nicht ebenfalls ein Recht auf Schutz? Laut dem britischen Public Order Act ist das der Fall. Das Gesetz definiert eine „Religionsgemeinschaft“ als eine „Gruppe von Menschen, die sich durch ihren Glauben oder durch den Mangel eines solchen auszeichnen“. In diesem Sinne bin ich also selbst dann religiös, wenn ich mich bewusst als nicht religiös verstehe. Historiker weisen darauf hin, dass in vielen Fällen Religionszugehörigkeit sich eher durch die Befolgung ritueller Pflichten als durch Glauben ausdrückt. Jemand kann etwa im religiösen Sinne eine Jude sein ohne dabei an Gott zu glauben.

Dies sind keine leichtfertigen Einwände, die versuchen Religion und Religiosität völlig zu relativieren und in den Bereich des Absurden zu drängen. Zu weitläufig und verschwommen sind die Grenzen dessen was als Religion ausgelegt werden kann, und zu wichtig sind die Probleme, die daraus für menschliche Schicksale entstehen. Jeder Versuch den Diskurs über sie zu begrenzen verringert zwingend unsere Fähigkeit, Wissen zu ergründen und zu verbreiten (siehe P5), offen über jegliche Art von Unterschieden zwischen Menschen zu reden (siehe P4), und politische Alternativen in vielseitigen Medien zu debattieren (siehe P3).

So sieht es auch das Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen. Dessen verbindliche Auslegung des 19. Artikels des VN-Menschenrechtsausschusses besagt, dass jegliche “Verbote der Äußerung eines Mangels an Respekt für eine Religion oder andere Glaubenssysteme, darunter Blasphemiegesetze, unvereinbar mit dem Abkommen (sind).“ Solche Äußerungen dürfen allerdings nicht das Verbot des Artikel 20 von „jeglicher Fürsprache für nationale, rassische oder religiöse Feindschaft, welche bewusst zu Diskriminierung, zu Hass oder Gewalt anstiftet“ verletzen. Diese Einschränkung erlaubt noch immer viel Raum für Interpretation, allerdings ist nicht bloße Respektlosigkeit gegenüber (oder Diffamierung von) Religion das einzige Kriterium.

Zwei Arten von Respekt

Festzustellen, dass gesetzliche Verbote der falsche Weg sind – wie in dieser Einleitung immer wieder betont wurde – ist allerdings nur eine Seite unseres Arguments. Nur weil es uns erlaubt ist, müssen wir deshalb noch lange nicht alles Mögliche oder Unmögliche über Dinge sagen, die für viele Männer und Frauen so bedeutsam sind. Prinzip 7 bezieht sich deshalb auf die praktische Unterscheidung des Philosophen Stepehn Darwall zwischen zwei Arten von Respekt. Wenn wir, ohne wenn und aber, sagen – dass wir “die/den Überzeugte/n respektieren”, meinen wir was Darwall „anerkennenden Respekt“ nennt. Wenn wir hinzufügen, dass dieser Respekt „aber nicht unbedingt die Überzeugung“ einschließt, meinen wir was Darwall als „bewertenden Respekt“ bezeichnet.

Der erste Teil dieses Prinzip-Entwurfs bedeutet also: Obwohl Du von etwas überzeugt bist, was ich für gefährlichen Schwachsinn halte und wovon ich Dich abbringen möchte, erkenne ich an, dass Du die über die gleiche grundsätzliche Menschlichkeit, angeborene Würde und die gleichen unveräußerlichen, universellen Rechten verfügst wie ich. Dein Glaube verringert Deine Menschen- und Bürgerrechte nicht um das Geringste, genauso wenig wie Deine Gleichheit vor dem Gesetz und den Respekt, den Du als Angehöriger der menschlichen Rasse verdienst.

Gleichzeitig umfasst dieser Teil des Prinzips den Kern der Religionsfreiheit, welcher Artikel 18 des VN-Menschenrechtsausschusses als die Freiheit definiert, eine Religion oder einen Glauben seiner Wahl zu haben oder anzunehmen und diese/n „durch Verehrung, Observanz, Praxis und Lehren“, entweder individuell oder gemeinschaftlich, öffentlich oder privat auszuüben.

Darüber hinaus erkennt dieser eindeutige Respekt für die/den Überzeugte/n auch empirisch an, dass fast alle Menschen Überzeugungen haben, die sich weder wissenschaftlich überprüfen lassen noch dies beanspruchen. Kognitive und neurowissenschaftliche Untersuchungen legen sogar nahe, dass eine religiöse Komponente fest im menschlichen Verstand verankert ist. Ich selber habe den wissenschaftlichen Atheisten Richard Dawkins einräumen hören, dass religiöser Glaube in der Vergangenheit möglicherweise ein evolutionärer Vorteil war.

Darüber hinaus legt Alltagserfahrung nahe, dass Menschen, die in ihrem Innern an Dinge glauben, die andere für völlig falsch halten, keineswegs schlechtere Buchhalter, Mechaniker, ja nicht einmal schlechtere Ehemänner oder Ehefrauen sind. Natürlich spielt es eine Rolle, wie irrational und falsch deren Überzeugungen uns erscheinen, und wie sehr diese sich im Alltag bemerkbar machen. So mag es etwa kein Problem sein einen Kreationisten als Zahnarzt zu haben; als Biologielehrer würden viele unter uns allerdings jemanden anderen bevorzugen. Schwierig wird es auch, wenn eine Firma als Buchhalter einen High-Fiver einstellt (jemand für den zwei und zwei gleich fünf sind). In der Praxis sind allerdings relativ wenige Lebenssituationen von solchen Problemen betroffen. Wir können den Überzeugten respektieren, ohne dass das Gleiche auch für dessen Überzeugung gelten muss.

Bewertender Respekt

Bewertender Respekt ist anspruchsvoller. Diese Art von Respekt sagt: „Ich respektiere Dein Können als Fußballer, deine Arbeit als Schriftsteller, Deinen Mut als Soldaten, oder Deine Aufopferung als Krankenschwester.“ Der zweite Teil dieses Prinzips fordert uns auf, die Behauptungen, die Wirkungsgeschichte und die aktuelle Praxis einer Religion einzuschätzen. Dies kann in völliger Ablehnung enden. Ein atheistischer Schriftsteller etwa schrieb in diesem Sinne: „Ich schätze Sie zu sehr, um Ihren lächerlichen Glauben zu respektieren.“ Am anderen Ende der Skala steht die völlige Akzeptanz. Jemand kann derart von einer Religion angetan sein, dass er konvertiert. In beiden Fällen bedarf es einer offenen, kompromisslosen Debatte über die Behauptungen einer (oder jeder) Religion, die zu Konvertierung oder zum Atheismus führen kann, und deren Teilnehmer keinerlei Repressalien fürchten müssen. In den meisten Teilen der Welt ist so eine Debatte heute unmöglich. Die Konsequenzen für jemanden, der den in seiner Gesellschaft dominanten Glauben hinterfragt oder aufgibt, reichen von sozialem Ausschluss bis hin zur Todesstrafe.

Es gibt aber auch weniger provokative Arten zu bewerten, und diese können qualifiziertere Formen von Respekt hervorbringen. Eine davon wird von dem deutschen Philosophen Jürgen Habermas beschrieben. Habermas denkt nach über die „gegenseitige Anerkennung, die grundlegend für eine gemeinsame Bürgerschaft ist,“ und sagt “säkulare Bürger sind aufgefordert, nicht von vornherein auszuschließen, in religiösen Äußerungen semantische Inhalte und insgeheime persönliche Intuitionen zu entdecken, die in säkulare Diskurse übersetzt und einbezogen werden können.“ In andern Worten: Wenn ich jenes, was Du mir in Deinem religiösen Vokabular sagt, in meine Sprache übersetze, kann ich eventuell mit Dir übereinstimmen  – wenigstens bis zu einem gewissen Punkt. Diese Idee ist nicht völlig neu: Bereits im 3. Jahrhundert vor Christi fand der Indische König Asoka in seinem 12. Edikt, dass man vom Wesentlichen anderer Religionen lernen solle.

Aufrichtiger bewertender Respekt für eine oder einen Überzeugte/n kann sogar unabhängig vom Inhalt seine/r Überzeugung existieren. Mir mag etwa Dein Glaube, selbst wenn ich ihn versuche in meine Sprache zu übersetzten, noch immer irrational erscheinen, und trotzdem kann ich Dein Verhalten bewundern und anerkennen, dass – zumindest gemessen an Deinen eigenen Maßstäben – dieses Verhalten durch Deinen Glauben motiviert ist. Du vollbringst Dinge, die mir als gut, nobel und mutig erscheinen, aber aus Beweggründen, die mir unverständlich sind. Stellt Euch vor, 99 Prozent der Anhänger der kleinen aber feinen Kirche der „High Fiver“ täte außergewöhnliche Wohltaten und selbstlosen Dienst an den Schwachen und Armen in ihren Gesellschaften – alles im Namen ihres Glaubens. Wären wir nicht geneigt, dieses Verhalten wirklich zu schätzen, selbst wenn wir nach wie vor von der grundsätzlichen Verkehrtheit des zentralen Glaubensprinzips der High Fiver (2+2=5) überzeugt sind?

Selbst wenn wir solch bewertenden Respekt weder für eine bestimmte Überzeugung noch für (durch diese motivierte) Taten aufbringen können, an unserem bedingungslosen anerkennenden Respekt für den Überzeugten ändert dies nichts. Nur diese Differenzierung ermöglicht Menschen aller und keiner Religionszugehörigkeit freiheitlich zusammenzuleben.

Ist das nicht Bevorzugung einer bestimmten Überzeugung? 

Dieser Prinzip-Entwurf verlangt etwas, was vielen sehr schwer fällt: Die erwähnte Unterscheidung zwischen einem Glauben (Überzeugung) und dem Gläubigen zu machen und aufrechtzuerhalten. Dies lädt zu folgendem Einwand ein: Wird hier nicht von uns erwartet eine bestimmte Überzeugung – den Glauben, dass wir alle mehr oder weniger gut auf diesem Wege zusammenleben sollen – allen anderen gegenüber zu bevorzugen? Das Vertrauen in diesen liberalen Wert der Toleranz verlangt von uns nicht weniger als anzuerkennen, dass andere Menschen an Dinge glauben und aus Überzeugungen heraus handeln, die wir moralisch und geistig für falsch halten.

Aber wie kann es richtig sein etwas Falsches zu akzeptieren? Die Antwort ist, dass ein höheres Gut existiert, laut welchem jeder Mensch die freie Wahl haben sollte sein Leben nach seinen Regeln zu leben, solange dies nicht anderen dieselbe Freiheit nimmt. Die Vergangenheit legt nahe, dass jeder Versuch, anderen unseren „einzig rechten Weg“ aufzudrängen, in Zwang oder sogar im Blutvergießen endet. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich also, dass dieses Prinzip kein neuer rechter Weg ist. Es ist allerdings der einzig richtige Weg und Versuch, es verschiedenen Menschen zu ermöglichen ihre eigene Wege gemäß ihrer Überzeugungen, zu gehen.

Tatsächlich behandelt P7 bevorzugt diesen (nicht religiösen) Glauben. Es steht aber jedem offen ihn zu kritisieren oder gar abzulehnen. Wem danach ist – wir bitten, die Diskussion ist eröffnet!

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Publiziert am: Januar 28, 2012 | 17 Kommentare

Kommentare (17)

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  1. Henriette sagt:

    In my opinion this is a principle that should by applied World wide. Everyone has opinions and everyone should be entitled to one. This does however not mean that everyone should agree but at least people will have the opportunity to express their thoughts. It is all about respecting one another. However, unfortunately as the past has proven this is not always the case and implementing this principle will be one of the most difficult due to factors such as religion.

  2. Sara sagt:

    I think most of the people don’t have the knowledge about other religions and have therefor a hard time to respect religions. Today this principle should be applied world wide as we have more knowledge about the world, its different kinds of people, and their religions. As already mentioned in other comment the past have shown it does not work this way, but let us hope the future will be different.

  3. dongiovanni sagt:

    Wenn hedonistische Ziele im Leben eines Menschen scheitern, ist es häufig der Glaube, der wieder Hoffnung bringt.

    Ich denke, grundsätzlich sollte jeder die Möglichkeit haben, seine Religion frei auszuüben und auf seine Art darin Erfüllung finden. Führt diese Auslebung seiner Überzeugung jedoch zur Beeinträchtigung anderer, sollte sie beschränkt werden.

  4. Mr. Chang sagt:

    Freiheit, und somit auch das Recht zur freien Rede, ist nur moeglich, wenn die Freiheit eines jeden Individuums nur so weit geht, dass sie niemals die Freiheit eines anderen Individuums einschraenkt. Somit existiert keine grenzenlose Freiheit. Fanatische Redner, die dazu aufhetzen, die Freiheit anderer einzuschraenken, sollten keine Redefreiheit geniessen. In diesem Falle respektiere ich weder ‘his content of belief’ noch den ‘believer’.

  5. xeniacernisenco sagt:

    My ne prave osujdati vybor ili mnenie cheloveka, pozitsia kotorogo rashoditsia s nashei. Etot vybor ili mnenie budet zaviseti ot mnogih faktorov: vospitanie, obrazovanie, a tak je okrujenie. V to vremea kak zrelosti nashei lichnosti proiavlietsia pri manere obchenia s chelovekom, chia pozitsia ralichna s nashei. Kak my otnosimsia k liudim, tak i liudi budut otnositiisa k nam. Ocheni vajno osoznavati,chto uvajenie lichnosti -eto osnova postroenia vzaimootnoshenii na raznyh urovniah.

  6. acellidiaz sagt:

    I don’t know if it is actually possible to commit to this principle. For what do we mean by “respect”? I think the article focuses too much on religion and doesn’t assess other “taboos” related to politics and that are part of collective memory. Is it possible to respect person that believes that Nazism is good and that it should be implemented? What do we think of those people? In many countries you can be charged for saying a statement like that; or among other consequences, people will decide not to speak to that person or to alienate him/her from society. In both cases, there are incentives for an individual not to speak his mind, because his thoughts are not against a specific belief but to other humans. Could we respect a person who thinks like this? Could we trust him or her? Could we be friends with a person that thinks that a race is better than another?
    Humanity witnessed how thoughts like these became politics in the XX century and the lessons were hard to learn. Does allowing an individual to revisit these ideologies represent a risk, that at some point that that horrendous chapter in history can happen again?

  7. Publicspaceshult sagt:

    I think this concept is a nice idea however some theories are insulting and counter productive. If for example, one attempts to justify slavery, the holocaust, discrimination or something of the sort, should the believer be respected?

  8. Publicspaceshult sagt:

    respecting all religion will result to a better and more tolerant world. I strongly agree with the statement

  9. Publicspaceshult sagt:

    I believe that every single person is entitled to their own religious and spiritual belief and others should respect them as believers as well as the content on their belief – as long as it doesn’t cause any harm to those around them.

  10. Publicspaceshult sagt:

    This belief is very important because predominant ideas in society can change over time, and we must allow voices to be heard, even if they dissent against commonly held ideals.

  11. VOrtizMC sagt:

    I agree with the idea of this principle in the sense that every single individual has the right to believe whatever he or she feels like. But I also think that just by promoting this ideal the world is not going to change positively. I believe it is necessary to approach today’s ignorance by fighting it with education, respect, and tolerance. If these methods are used to reinforce the principle I believe attempts to impose ones beliefs or ideologies into others will be reduced, and a more harmonious lifestyle will be achieved. Moreover, I do find some discrepancies within this principle. Just like other individuals have posted and commented, what if the ideology, religion, or belief practiced by an individual or group affects or threatens others? It is stated within the explanation of the principle that we should accept this “one belief” (the principle) above others in other to coexist freely and fight for the higher good. The higher good being that “everyone should be free to choose how to live their own lives, so long as it does not prevent others doing the same.” Well, this sounds kind of comforting, but there is so much to consider. Who or which authorities will provide the guidelines and enforce them? And what type of guidelines? Since something might be insulting for Christians but maybe not for Scientologists. And is Scientology considered a religion? If it is, which ones are not, and how are people following these other religions or ideologies supposed to contribute or express themselves?

  12. rshahrad sagt:

    Thank you , this article was very useful and I enjoyed reading it
    I think this topic should be promoted specially within Iran
    But
    I think the Persian translation of it
    could be better
    and I am ready to cooperate improving the Persian translation
    thanks again

  13. imos.org.uk sagt:

    No, no, no!

    It’s a fundamental part of my freedom that I shouldn’t have to respect anyone. Force me to respect anyone and you’ve taken my freedom away.

    It may be true that many of us who campaign for free speech do indeed respect many of the people whose beliefs and opinions we disagree with – but we should not be forced to do so. If free speech is to mean anything substantial, then it absolutely should allow us the right to be disrespectful towards the believer as well as towards their beliefs. There is no balancing to be done – this is a point of principle, not something to be bargained away in our quest to be allowed the right to criticise people’s beliefs.

    Tempting as it might be to appease the opponents of free speech by reassuring them that our questioning of their beliefs does not mean we are being disrespectful to them as people, we should never give ground on the principle that we should have the fundamental right to decide for ourselves who we respect and who we do not respect.

    The only way we need to respect the believer is in regard to respecting their freedoms, but that’s more about adhering to the principles of freedom rather than about respecting them as a person.

    Hopefully, most people will choose to be respectful towards the believer – but this should remain entirely an issue of individual choice. Nobody should have an automatic right to our respect – for to enforce such a right would be to take freedom away from everyone else.

    • Judith Bruhn sagt:

      Hi imos

      thanks for this thoughtful comment. Might your problem with the word ‘respect’ be the definition? Because if we take ‘respect’ at its most basic – accepting that others are different and not wish to harm them – then I cannot see how we can live in a peaceful society without respect. If we are talking about ‘respect’ as a feeling of appraisal, then I absolutely agree with you.

      What are your thoughts on this? If we do not show respect to everyone, how can we uphold the human right that everyone’s dignity is untouchable? I look forward to reading your reply.

      • imos.org.uk sagt:

        Hi JB,

        Thanks for replying to my comment!

        I think we should respect other people in the sense that we allow them to have their freedoms – but, as I say, that’s more about respecting a principle than about respecting a person. So long as you allow people their freedoms, then why shouldn’t we be able to live in a peaceful society? The minute someone uses violence, they are taking away someone else’s freedoms, but we can maintain our freedoms without any logical requirement to respect each other.

        As for people’s dignity, I don’t recognise any fundamental human right to maintain one’s dignity. People lose their dignity for all sorts of reasons – usually as a result of their own unprincipled behaviour. If you stick to decent principles, then there’s no reason why your dignity should be harmed by what anybody else does or says.

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Debatte zur Meinungsfreiheit ist ein Projekt des Dahrendorf Programmes for the Study of Freedom des St Antony's College an der Universität von Oxford. www.freespeechdebate.ox.ac.uk